04.02.2020 Stephan Riemekasten beendet Ambitionen auf Tokio 2020

News Bild  

Gestern hat Stephan Riemekasten vom Der Hamburger und Germania Ruder Club bekannt gegeben, künftig einen anderen Lebensweg einschlagen zu wollen. Das bedeutet mehr Zeit für seine Familie und die Ausbildung zum Arzt.

Das Ziel, bei Olympia in Tokio dabei sein zu wollen, ist nicht mehr Teil seiner weiteren Lebensplanung. In einem emotionalen Post in den sozialen Netzwerken erklärte der 26jährige seine Beweggründe und bedankte sich für die bisherige Unterstützung.

Seine erfrischende und scheinbar unbeschwerte Art war ansteckend und ließ manchmal die Anstrengung vergessen, die auf dem Weg nach oben erforderlich ist. Unsere guten Wünsche begleiten ihn und seine Familie auch weiterhin.

Hier der Wortlaut seiner Erklärung und der Kommentar von Kai Daniels, 1. Vorsitzender DHuGRC

Es ist Zeit, es offiziell zu machen: Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, meinen Olympischen Traum aufzugeben und mich auf meine Familie und meine Zukunft als Arzt zu konzentrieren. Die Entscheidung war eine der härtesten, die ich in meinem Leben getroffen habe. Dafür gab es drei schwerwiegende Gründe.

  • Erstens: Meine Familie braucht mich. Meine Frau Sophia hat in den letzten Jahren zu Hause alles zusammengehalten. Als jedoch 2019 ihre Gesundheit sich auf Grund der Schwangerschaft und Schwangerschaftskomplikationen verschlechterte, musste ich da sein, wo mein Herz war.
  • Zweitens: Als ich letztes Jahr vierter geworden war und trotzdem nicht für einen Platz im Boot in Betracht gezogen wurde, ließen die Trainer erkennen, dass es dieses Jahr ein noch härterer Kampf werden würde. Da die Priorität eher auf guten Ergo-Werten und langjähriger Erfahrungen im Starten vor allem für den DRV lagen, wusste ich, dass meine Chancen in dieser Saison noch geringer sein würden.
  • Zuletzt: Ich musste ein weiteres Mal meinen Trainer wechseln und fühlte mich einfach gefangen in einem System, dass nie zum Ziel hatte mich persönlich zu Bestleistungen zu bringen.

Das waren die Gründe, warum ich den Spaß an den täglichen Strapazen verlor. Ich war mit dem Herzen bei meiner Familie, mit meinem Kopf beim Medizinstudium. Mein Körper allein konnte mich nicht dahin bringen, wo ich hätte sein müssen, um ins Team zu kommen. Ich entschied mich für meine mentale Gesundheit und gegen die kleine Chance, zu den Olympischen Spielen nach Tokyo zu fahren.

Es hat eine Zeit gedauert, um mit dieser Entscheidung meinen Frieden zu finden. Dennoch kann ich ehrlich sagen, dass ich so deutlich glücklicher bin.

Weil die Trainer auf mich nach den Olympischen Spielen zählen, werde ich weiter rudern. Vielleicht starte ich dieses Jahr noch auf einem Worldcup oder im Einer auf der Henley Royal Regatta. Für weitere Infos folgt bitte „Sxulls“. Das Team begleitete den Prozess und wird die ganze Geschichte bald erzählen. Bitte versteht, dass ich, der ich weiterhin in das Projekt involviert bin, jetzt keine Fragen dazu beantworten werde. Das ist das Mindeste, was ich ihnen zurückgeben kann, denn „Sxulls“ waren sehr gut zu uns und haben Licht auf den Rudersport geworfen.

Vielen Dank an alle, die mich in den letzten Jahren angefeuert, an mich geglaubt und mir ermutigende und unterstützende Nachrichten geschrieben haben. Ihr bedeutet mir die Welt! Es schmerzt mich, weil ich euch enttäuscht habe, aber wenn man ehrlich ist habe ich dieses Projekt ganz alleine angefangen und jetzt gibt es Leute wie euch, die das lesen und mitfühlen. Vielen Dank dafür.

Einer meiner besten Trainer hat mal gesagt: „Keiner zählt, wie häufig du gewinnst. Es interessiert nur, wer zuletzt oben steht “.

Ich wusste immer, es ist ein Marathon.

Stephan Riemekasten

 

Stephan wurde vor einem Jahr Mitglied bei uns. Vorher hatte er in den USA an der Yale University studiert und seinem Heimatverein, der Rudergemeinschaft Rotation Berlin, die Treue gehalten.

Stephan konnte meine anfängliche Skepsis mit seiner positiven Art schnell zerstreuen, und so freuten wir uns mit ihm über seine erfolgreichen Einer-Rennen. Obwohl er schneller war als andere des Doppelvierers reichten seine schlechten Ergo-Werte für einen festen Platz im Olympia-Boot nicht aus.

Als hochintelligenter Sportler und empathischer Familienvater wird Stephan wissen, was in seinem Leben derzeit das Wichtigste ist. Wir freuen uns, bald einen weiteren guten Mediziner im CLUB zu haben. Und wir werden ihn auf seinen nächsten Regatten weiterhin anfeuern, wenn er seinen Einer – auch mit weniger Kilos – schneller als die Meisten zu bewegen weiß.

Stephan, wir hätten Dir die Olympiateilnahme aufgrund Deiner Art einfach gegönnt.

Kai Daniels, 1. Vorsitzender DHuGRC