19.09.2019 AAC/NRB-Barkenfahrt 13. bis 16.September 2019

News Bild  Mit der Barke Hammonia II auf Jümme und Soeste in Ostfriesland

(oder: Der Ausflug zum „Spieker“ in Bad Zwischenahn)

 Bericht von Gerhard Boehm

Seit 8 Jahren organisiert Hans-Heinrich Busse für den Landesruderverband Hamburg (AAC/NRB) die Barkentouren aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit, abwechselnd in den neuen und in den alten Bundesländern. 2019 war Ostfriesland das Ziel und der Termin wurde wegen anderer Wanderfahrten vorgezogen. Die Teilnehmer kamen aus 6 verschiedenen Vereinen aus Hamburg und Schwerin. Viele Teilnehmer waren „Stammgäste“, denn diese 3 Tage-Barkenfahrten erfreuen sich großer Beliebtheit. Gegenüber den vorherigen Fahrten gab es dieses Jahr aber auch Neulinge die zum ersten und bestimmt nicht zum letzten Mal dabei waren.

Die Hammonia II ist eine gepflegte Mahagoni-Barke mit 8 Rollsitzen und 3 Plätzen auf der breiten Steuerbank. Die Barke gehört dem AAC/NRB und lagert im Leistungszentrum Allermöhe von wo sie an Interessenten ausgeliehen wird. Die Barke wird mit Riemen gerudert und auf einem Trailer zu den Einsatzorten transportiert.

 

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In diesem Jahr erfolgte das Einsetzen der Barke in die Jümme bei der Fährrampe von Wiltshausen, einem Stadtteil von Leer, von wo aus die letzte von Hand gezogene Pünte, d. h. Binnenfähre, vor allem die Fahrrad-Touristen nach Amdorf hinüber bringt.

Die Jümme ist ein Tidengewässer und mündet gleich bei der oben erwähnten Pünte in den kleinen Fluß Leda, der nach etwa acht Kilometern in die Ems mündet. Mit  Schiebewind war es zunächst für die Barkenbesatzung ein leichtes Rudern stromaufwärts auf der Jümme, aber schon bald änderte sich das, weil die Barke bei ablaufendem Wasser in einer Kurve auf eine Schlickbank zusteuerte und dann auch prompt darauf fest saß. Mit Mühe und viel Gewichtsverlagerung der Mannschaft kam die Hammonia wieder frei und das Personal auf der Steuerbank stellte fest, das Ostfriesland ein komplizierteres Ruderrevier als erwartet ist. Schlick ist ein feinkörniges Sediment, das erst bei Ebbe sichtbar wird, aber davon wird später noch berichtet.

Die Landschaft zu beiden Seiten der Jümme ist eingedeicht und mit viel Schilf bewachsen. Nur gelegentlich sieht man am Ufer sehr große und allein liegende  Hofanlagen. Sehr markant sind die Wasserbauwerke aus dem typischen Baustoff der Region, dem roten Backstein. Dass sind vor allem massive Entwässerungs-Siele und Schöpfwerke zur Bewirtschaftung der Marschen und der Erschließung der Moorgebiete. Diese Backsteinbauten erinnern mitunter an Kirchgebäude, weil sie so hoch aus der flachen Landschaft aufragen. Die größeren Wasserläufe in Ostfriesland werden meist als Tief bezeichnet, sind aber nicht sehr tief und haben auch nichts mit einer Wetterstörung zu tun.

Am zweiten Tag ruderte die Mannschaft fast ständig gegen die Tiede und war froh, dass man am Abend die Barke an dem Fluss Soeste, an einem bequemen Steg direkt beim Gasthof Bucksande bei Barßel festmachen konnte.

Am folgenden Tag sollte gleich nach dem Frühstück wieder gerudert werden, aber das war nicht möglich, weil man nicht erwartet hatte, dass das Niedrigwasser der Tide die Barke auf Grund setzen könnte. Die Hammonia saß tatsächlich auf dem Trockenen oder genauer auf dem Schlick und das Rudern musste auf das Hochwasser am Nachmittag verschoben werden. Stattdessen wurde die Mannschaft nach Bad Zwischenahn zum Aal-Essen im Spieker transportiert. Den Beteiligten war die Unterbrechung der Rudertour willkommen und die Mannschaft berichtete später, dass man eine solche Wanderfahrt, mit viel Schlick und reichlich Aal, noch nie erlebt hätte.

Nach der Rückkehr an die Soeste hatte sich die Barke vom Schlick gelöst und die Mannschaft nahm das gewohnte Rudern zum Aufslippen im Barßeler Hafen auf und freute sich auf die Heimfahrt nach Hamburg-Allermöhe per Bus. Was bleibt ist die Erinnerung an Ostfriesland, mit Ebbe, Flut, Schlick und dem Aal-Essen in Bad Zwischenahn.

Boe.