29.05.2019 175 Jahre AAC / NRB - Auf der Suche nach einer neuen Regattastrecke

News Bild  Am 22. September 1844 fand in Hamburg die erste Ruderregatta in Deutschland statt. Wenn also Anfang Juni in Hamburg-Allermöhe zum 25. Mal die Internationale DRV Junioren-Regatta ausgetragen wird, schauen wir auf fast 175 Jahre Regattatradition zurück. In dieser Zeit konnten die Hamburger/innen bei weiteren 541 Regatten die Leistung von Sportlerinnen und Sportlern aus Deutschland und aller Welt anfeuern und feiern. Die DRV Regatta am kommenden Wochenende trägt daher die Nummer 543. 

Der AAC hatte sich 1844 zum Ziel gesetzt, den vielen Rudergemeinschaften in Hamburg ein Clubleben zu schaffen. Nachdem die Rudervereine zunehmend eigene Bootshäuser besaßen, in denen sie ihr Clubleben nach eigenem Ermessen gestalten konnten, entfiel diese Aufgabe. Der AAC wurde aber auch  gegründet, um die erste 1844 in Hamburg veranstaltete Ruderregatta fortzusetzen, Hamburg als Regattaplatz zu etablieren und zu erhalten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

In unseren ersten Jahrzehnten wurden Hamburgs Regatten im Zentrum der Stadt ausgetragen – auf der Alster, dort, wo sich heute die RG HANSA und das Cliff gegenüber liegen. An der Stelle, wo sich heute der kleine Park zwischen dem Schulbootshaus “Langer Zug“ und der RG HANSA erstreckt, stand vor dem Krieg das Uhlenhorster Fährhaus, Ausflugslokal und Treffpunkt tausender Hamburger bei  Regatten. Daher unser Name: Allgemeiner Alster-Club.

Doch bereits im  Jahre 1908 setzte man sich kritisch mit den Vor- und Nachteilen der zentralen Lage auseinander. Denn nach Einführung der deutschen Meisterschaftsregatta durch den DRV im Jahre 1907 fand in Hamburg kein Deutsches Meisterschaftsrudern mehr statt. Auch wenn der Hamburger Regattaplatz danach noch Austragungsort großer nationaler und internationaler Regatten blieb.

Nach Kriegsende 1945 konnte an die große Tradition Hamburger Regatten nicht wieder angeknüpft werden. Der zunehmende Individualverkehr auf der Alster und die steigenden Ansprüche an die technischen Voraussetzungen international anerkannter Regattastrecken ließen Ende der 50er Jahre die Ausrichtung großer Ruderregatten auf der Alster immer schwieriger werden. Und damals kannte man noch nicht mal Surfbretter oder Stand-Up Paddler.

So fanden große internationale Hamburger Ruder-Regatten auf der Außenalster im Jahre 1966 ein Ende. Die Durchführung war nicht länger zu verantworten. Natürlich wurden weiterhin internationale Regatten und auch Länderkämpfe in Hamburg veranstaltet. Allerdings mit verkürzter Streckenführung im Nachwuchsbereich. Als auch das nicht mehr möglich war, richtete der AAC Regatten auf dem Ratzeburger Küchensee aus, um als Regattaverein “präsent“ zu bleiben.

Anfang der 60er Jahre bemühte sich der AAC um eine neue Regattastrecke. Diese musste den durch den internationalen Ruderverband (FISA) festgelegten technischen Voraussetzungen, die an eine anerkannte Regattastrecke der Kategorie A gestellt wurden, entsprechen. Sämtliche in Hamburg und Umgebung befindlichen Wasserflächen wurden eingehend inspiziert. Erschienen diese geeignet, wurden sogleich Verhandlungen mit den amtlichen Stellen aufgenommen. Trotz intensiver Bemühungen fand sich kein geeignetes Gewässer.

Es gab einen Silberstreifen am Horizont, als der Baggersee Oortkanten an der Oberelbe entstand. Die Abmessungen wurden den Anforderungen an eine Regattastrecke angepasst. Die Lage in West-Ost Richtung war in Ordnung. Aber schneller als die Behörden arbeiten konnten, hatte die Freizeitmöglichkeiten suchende Bevölkerung den neuen “See“ entdeckt. Wochenende für Wochenende war der Baggersee bei gutem Wetter von Schwimmern, Seglern und den gerade in Mode kommenden Surfgeräten bevölkert. Die Behörden passten. Man sah sich außerstande, die Wasserfläche für einen geregelten Sportbetrieb freizuhalten.

Aber es gab eine Chance. Die Planungen für die Marschenautobahn waren in das Endstadium gekommen.

Die Bauausschreibungen sollten erfolgen. Und man benötigt jede Menge Kies. Dieser sollte aus der Dove-Elbe kommen. In Zusammenarbeit mit dem behördlichen Stellen wurden die notwendigen Abmessungen und Wassertiefen festgelegt. Nach und nach entstanden die Umrisse einer Regattabahn. Auch wenn bis zur Fertigstellung Jahre vergingen, waren alle Beteiligten bereit, die Unwägbarkeiten zu vergessen, als dann auch der letzte noch störende Landzipfel dem Bagger weichen musste. Nachdem der Allgemeine-Alster-Club mehrere Jahre "Hamburger Regatten" auf dem Ratzeburger Küchensee durchgeführt hatte, konnte man erstmals wieder 1981 eine Veranstaltung auf Hamburgischen Gewässer durchführen. Dass dies zunächst für Jahre ohne jegliche feste Installationen an Land erfolgen musste, tat der Begeisterung keinen Abbruch.
Eingegliedert in die neue Regattaanlage wurde 1985 das Leistungszentrum Rudern/Kanu. Es bestand zunächst auf zwei Bauten. Ein Haus diente der Lagerung der Boote, das andere ist für die Sportler gedacht. Hier gab es Umkleideräume, sanitäre Anlagen, Sauna und Aufenthaltsräume.
Der zweite Bauabschnitt der neuen Regattaanlage wurde am 26. September 1985 eingeweiht. Die neue Regattaanlage in Hamburg-Allermöhe befindet sich in einer sehr schönen Landschaft. Allen Beteiligten war immer klar, dass dieses Landschaftsbild erhalten bleiben muss und durch vermeidbare Sportstättenbauten nicht zerstört werden soll. So verzichtete der AAC auf die Installierung von sanitären Anlagen, Zuschauertribünen usw. , auch in Kenntnis der Tatsache, dass er dadurch erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Regattaplätzen einging.
Erforderlich und auch bereits in der Planung war der Bau einer Fußgängerbrücke, die das Nordufer – hier befinden sich die Gebäude und der Sattelplatz – mit dem Südufer – hier verläuft die Regattabahn – verbindet. Dabei war bereits ein wesentlicher Teil, des vom AAC /NRB eingegangen Kompromisses, der Verzicht auf Erstellung der Gebäude am Südufer. Hätte am Südufer gebaut werden können, wäre überhaupt kein Brückenbau erforderlich gewesen.
Diese Fußgängerbrücke sollte sich genauso harmonisch in die Landschaft einfügen wie die Gebäude der Regattaanlage, die 1986 noch durch den Zielturm und 1991 durch das Gerätehaus ergänzt wurden. Die Brücke sollte 1988 fertig gestellt sein.
Auf die dann folgenden Streitigkeiten und Proteste soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Ergebnis dieser Auseinandersetzung ist jedoch der heutige Zustand.
Im Zusammenwirken mit dem Deutschen Bund für Vogelschutz und im Einklang mit den Interessen des Natur – und Umweltamtes, wurde die Planung einer festen Fußgängerbrücke verworfen und der Bau der heutigen Rollbrücke umgesetzt, die nur während der Sportveranstaltung geschlossen ist. Damit wurde dem Anliegen des Deutschen Bundes für Vogelschutz entsprochen, die Brücke wegen der Vögel, die im Naturschutzgebiet ein – und ausfliegen, möglichst flach über dem Wasser anzuordnen.
So konnten wir uns bereits in unserem 150. Jubiläumsjahr 1994 wieder über eine Regattaanlage freuen, die größten Ansprüchen genügt, und die in den letzten 25 Jahren bereits mehrere Bewährungsproben überstanden hat.

Zugegeben, so viele Zuschauer/innen wie damals an der Alster, finden heute leider nicht mehr den Weg raus nach Allermöhe (trotz dessen, wir stets einen kostenfreien Shuttle zwischen der S-Bahn Station Mittlerer Landweg und Regattastrecke anbieten). Und auch wenn inzwischen die Regatta-Anlage Dank der Freien und Hansestadt Hamburg komplett ist und sowohl Strecke, Einrichtung, Installation als auch ein leistungsfähiger ehrenamtlicher Regattastab die Gewähr für gute Startbedingungen bei einer Regatta geben, ist die Zukunft unserer Regattastrecke derzeit doch wieder in Gefahr. Die Frage, ob es auf der Dove-Elbe künftig wieder Ebbe und Flut geben wird, ist noch nicht final beantwortet.
Das aber ist wieder eine andere Geschichte.